„Wir warten nicht am Spielfeldrand“
Die Fusion mit Arla steht für 2026 fest auf dem Zettel. CEO Ingo Müller und Philipp Inderhees, Global Head of Corporate Strategy, über die nächste Phase der Fusion, klare Spielregeln – und Zuversicht.

Die Landwirtinnen und Landwirte bei DMK haben der Fusion mit Arla im letzten Sommer mit großer Mehrheit zugestimmt. Spürt man im Unternehmen bereits, dass „es jetzt losgeht“?
Ingo Müller: Man spürt eher, dass wir in eine neue Phase eintreten. Die Zustimmung war ein Meilenstein: Jetzt beginnt das strukturierte Vorbereiten – nicht das operative Umsetzen. Für alle bei DMK gilt weiterhin Business as usual. Und das alles bestmöglich. Wir warten nicht am Spielfeldrand bis die Fusion freigegeben wird, sondern tun weiterhin das, was wir immer gemacht haben: Milch abholen, Milch verarbeiten, Milch vermarkten. 

Viele Mitarbeitende und Milchbauern fragen sich dennoch: Ab wann wird eine mögliche Fusion fühlbar? 
Ingo Müller: Bis zur Freigabe durch die Wettbewerbsbehörden wird sie nicht besonders fühlbar sein. Der Arbeitsalltag bleibt bis zu dieser Entscheidung unverändert und Arla und DMK agieren vollständig getrennt weiter. Erst wenn die Behörden den Fusionsplänen grünes Licht gegeben haben, beginnt die Integration. Auch das wird ein längerer Prozess sein, der nicht über Nacht geschehen wird. Wir planen hier in einem Zeitkorridor von insgesamt zwei Jahren. 

Was passiert jetzt? 
Philipp Inderhees: Eine ausgewählte Gruppe von Kollegen beginnt zurzeit, sich auf die Integration nach der Fusion vorzubereiten, soweit das rechtlich möglich ist. Ziel ist, dass es bei einem Übergang nicht zu „Rucklern“ kommt, sondern das Geschäft reibungslos weiterlaufen kann. Zentrales Ziel ist es, die Geschäftskontinuität ab „Tag 1“ der Fusion sicherzustellen. Die Kollegen beschäftigen sich mit juristischen Fragen, dem gesamten Rahmenwerk, Prinzipien und Mechaniken einer Fusion. Tatsächliche Integrationsschritte sind nicht erlaubt, bevor wir ein gemeinsames Unternehmen sind. Daher ist es umso wichtiger, sich jetzt nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und die Produktion genauso motiviert fortzusetzen wie bisher. 

Es erfordert also nach wie vor Geduld … 
Ingo Müller: Ja, das ist auch schon rein rechtlich erforderlich. Unsere Eigentümer haben den Fusionsplänen mit überwältigender Mehrheit zugestimmt. Aktuell warten wir auf die Prüfung durch die Kartellbehörden. Da heißt es tatsächlich: Geduld. Wichtig ist uns, die Mitarbeitenden während und nach der Fusion kontinuierlich informiert zu halten. Wir wollen, soweit es geht, Unklarheiten aus der Welt schaffen. Unser Team ist unsere wichtigste Ressource. Wir wollen, dass es weiterhin engagiert und dem Unternehmen verbunden bleibt. 

„Kein Landwirt wird von heute auf morgen in neue Systeme gedrückt.”

Philipp Inderhees, Global Head of Corporate Strategy, Sustainability & Innovation.
Philipp Inderhees, Global Head of Corporate Strategy, Sustainability & Innovation.

Wie ordnen Sie die Fusion inhaltlich ein – gerade aus Sicht der Landwirte? 
Philipp Inderhees: Als große strategische Perspektive. Die enorm hohe Zustimmung der Landwirte zeigt, dass viele erkannt haben: Die Herausforderungen der Zukunft – Marktvolatilität, Nachhaltigkeitsanforderungen, Investitionen – lassen sich gemeinsam besser bewältigen. Aber im Alltag auf dem landwirtschaftlichen Betrieb bleibt der Fokus natürlich immer auf dem Hof. 

Der Milchmarkt ist gerade unter Druck. Wie passt ein Fusionsbestreben mit dieser Tatsache zusammen? 
Ingo Müller: Es passt gut damit zusammen, weil es die Notwendigkeit erklärt. Wir sehen aktuell ein Überangebot an Rohmilch bei stabiler, aber nicht wachsender Nachfrage. Die Preise sind zurückgegangen. In so einer Phase zeigt sich, wie wichtig operative Stärke, Effizienz und Marktzugang sind – heute bei DMK, perspektivisch im Verbund mit Arla. 

Heißt das, die Fusion ist eine Reaktion auf die aktuelle Marktlage?  
Ingo Müller: Nein, sie ist eine Antwort auf grundsätzliche strukturelle Entwicklungen. Bei dieser Fusion schließen sich Landwirte zusammen, vereint durch ihren Glauben an das Genossenschaftsmodell und ihre überwältigende Unterstützung für eine gemeinsame Zukunft. Wir werden einen langfristig wettbewerbsfähigen Milchpreis und die Möglichkeit sichern, in unsere eigene Zukunft zu investieren, und zusammen mit Arla ein solides Zuhause für die europäischen Milchbauern von heute und morgen zu schaffen. Und das mit einem Genossenschaftsmodell, das stark auf die lokalen Wurzeln der einzelnen Mitgliedshöfe setzt. Lokale Wurzeln und globale Reichweite schaffen ein Unternehmen mit noch größerer Fähigkeit, den weltweit steigenden Proteinbedarf zu sichern. 

Viele Fragen auf den letzten Bezirksversammlungen drehten sich um wirtschaftliche Perspektiven. Wie ordnen Sie die aktuelle Lage ein? 
Ingo Müller: Der Markt ist volatil und bleibt es vorerst auch. Das globale Preisniveau für Milchprodukte ist seit dem Spätsommer um rund ein Drittel eingebrochen. Butter, Sahne, Magermilchpulver – alles steht unter Druck. Gleichzeitig ist wichtig zu sehen: DMK ist operativ stabil. Unsere Business Units in der Rohmilchverarbeitung haben sich verbessert, und Bereiche wie Molke, TURM-Sahne oder Baby haben zur Stabilisierung beigetragen. 

„Jetzt beginnt das strukturierte Vorbereiten – nicht das operative Umsetzen.”

Ingo Müller
Ingo Müller
CEO.
Positiv denken, den Wandel begrüßen – Ingo Müller bei der digitalen Mitgliederversammlung 2025.

Das heißt: Trotz Krise Fortschritte?
Ingo Müller: Ja. Und das ist kein Zufall. Wir arbeiten seit Jahren an der Weiterentwicklung unseres Produktportfolios – weg von reiner Commodity, hin zu höherwertigen Produkten. Das ist mühsam, aber es zahlt sich aus, gerade in schwierigen Marktphasen. 

Zurück zur Fusion: Viele Landwirte bewerten sie als sinnvoll, wollen aber keine Brüche im Alltag. Was haben Sie zugesichert? 
Philipp Inderhees: Zum Beispiel Kontinuität in der Betreuung. Die Ansprechpartner im Außendienst bleiben nach einer Fusion erst mal dieselben. Auch bei Nachhaltigkeitsprogrammen gilt: Arla-Programme würden erst nach einer zweijährigen Übergangsphase für DMK-Landwirte greifen. Niemand wird von heute auf morgen in neue Systeme gedrückt. 

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in dieser Übergangszeit? 
Philipp Inderhees: Eine verbindende. Viele unserer Themen – CO₂-Reduktion, Verpackung, Transparenz – sind bei Arla und DMK ähnlich verankert. Die Fusion eröffnet also langfristig größere Hebel. Die Fusion erweitert diese Perspektive – ersetzt aber nicht die Arbeit, die wir heute leisten müssen. 

Welche Botschaft richten Sie jetzt an die Mitarbeitenden und Landwirte? 
Ingo Müller: Lasst uns weiterhin voll auf das Kerngeschäft konzentrieren. Wenn die Fusion kommt, wird sie vorbereitet, strukturiert und transparent ablaufen.
Philipp Inderhees: 2026 wird ein Jahr der Chancen – weil wir den Weg Schritt für Schritt gehen werden. DMK liefert, DMK fokussiert sich, DMK bleibt ein verlässlicher Partner. 

Philipp Inderhees sichert eine gleichbleibende Betreuung der Landwirte während der Fusion zu.